Wir schreiben das Jahr 2022, gibt es wirklich „gendergerechte Sprache“ und wenn wie ist diese?

Wer und was beurteilt „Gendergerechtigkeit“ in der Sprache?

Wohin wird uns das „Gendern“ der Sprache führen und führt es überhaupt zu einem Ziel?

Einleitung

Eigentlich betrifft mich das Thema wirklich lediglich sekundär. Ich habe das Glück in einem beruf zu arbeiten, wo ich kein Publikum habe, dass die „geschlechtlich“ gerechte Aussprache bemerkt oder zumindest einfordert.

Natürlich bekommt man es mit, dass die Gesellschaft – wieder einmal – gespalten ist. Da gibt es die „lautstarken“ Fordere, die Kämpfer für Gerechtigkeit, die Aufopfere und die emotional dagegenhaltenden Konterargument-Befürworter – ach ich liebe Wortzusammensetzungen -. Ja es ist ein richtiger verbaler Kampf der in seinen emotionalen spitzen auch zum realen Kampf wird.

Persönliche Berührungspunkte

Das Thema hat mich irgendwann um 2015 oder 2016 auf einem Bundesjugendtag der DLRG betroffen. Hier gab es einen Diskussion Einschub, der das Thema „gendergerechte Sprache“ in der DLRG Jugend und n der DLRG behandelte. Hierbei wurde mir dann erläutert, dass ich in der Vergangenheit wohl mit „Teilnehmer“ immer nur die hälfte meiner anwesenden Schwimmschüler angesprochen hätte.

Aber waren das wirklich die Probleme die die Jugendarbeit Mitte der 2010er Jahre hatte und heute hat? Gab es nicht andere wichtigere Themen und woher kam die Motivation hier nun fast schon unter Zwang „Gendergerechtigkeit“ zu fördern und zu fordern. War es für Kinder & Jugendliche in der Jugendarbeit, für Rettungsschwimmer im Dienst und natürlich für Kursteilnehmer / Schwimmschüler nicht viel wichtiger, dass die „Sache“ an sich in hoher Qualität und mit brennender Begeisterung und praxisnaher Ausbildung stattfindet. Damals war ich verwundert und ein wenig schockiert.

Haben wir keine wichtigen und gravierenderen Themen in diesem Bereich der DLRG?

Der Leserbrief zum „Sprachlicher Hindernislauf“

Hier ein interessanter Leserbrief, den das Thema „Sprachlicher Hindernislauf“, ein Kommentar von Jürgen Kaube vom 13.03.2021. (bezahlpflichtiger Artikel der F.A.Z.) Link, ausgelöst hatte:

“In der deutschen Sprache gibt es ein natürliches Geschlecht (Sexus) und ein grammatisches Geschlecht (Genus). Beides wird von feministischen Linguistinnen gerne verwechselt, um nicht zu sagen: wild durcheinandergeworfen. Dabei können auch sprachwissenschaftliche Laien, wenn ihr Blick nicht ideologisch getrübt ist, den Unterschied leicht erkennen.

Erstens nämlich gibt es drei Genusformen (maskulin, feminin, neutrum), aber nur zwei biologische Geschlechter (männlich und weiblich). Zweitens wird das Genus auch für Objekte ohne jede erkennbare Parallele zum natürlichen Geschlecht verwendet: der Herd, die Straße oder das Buch. Auch dass der Busen maskulin, die Eichel feminin und das Glied neutrum sind, beruht ganz offensichtlich nicht auf irgendwelchen biologischen Hintergründen.

Ähnlich verhält es sich z. B. mit der Leser oder der Kunde. Während der Genus übergeschlechtlich verwendet wird (der Gast, der Mensch, die Person, die Waise, das Kind, das Individuum), stellt der Sexus eine weitere Aufsplitterung in männlich und weiblich dar.

Wir haben es hier mit etwas zu tun, was man in der Sprachwissenschaft “Homonym” nennt. Homonyme sind gleichlautende Wörter, die aber unterschiedliche Dinge meinen. Ein “Flügel” kann beispielsweise der Teil eines Vogels sein, der Teil einer Fußballmannschaft oder ein Klavier. Manchmal sind diese Homonyme nicht so leicht auseinanderzuhalten, und da kommt es dann zu Missverständnissen wie in der feministischen Sprachwissenschaft. “Kunden” kann nämlich ebenfalls zweierlei bedeuten: “Menschen, die einkaufen” ebenso wie “Männer, die einkaufen”. Indem Sprachkritiker*innen behaupten, mit “Kunden” seien nur Männer gemeint, erzeugen sie den Eindruck, Frauen würden sprachlich unterdrückt. Sie richten sich nicht danach, was Menschen meinen, wenn sie etwas sagen, sondern danach, was sie ihnen unterstellen, was sie meinen: “Sie reden ja nur von den Männern! Uns Frauen lassen Sie mal wieder unter den Tisch fallen!”

Aber das ist ebenso nervtötend wie falsch.

Auch sorgt der Artikel im Singular mit dem grammatischen Geschlecht für den Unterschied zwischen der (frohen) Kunde und dem Kunden sowie der Leiter und dem Leiter…

Aus eben den soeben erklärten Gründen sind 99 Lehrerinnen und ein Lehrer zusammen hundert Lehrer: Es wird nämlich der grammatikalische Oberbegriff verwendet, sobald eine auch nur irgendwie gemischte Gruppe besteht. Ohne einen solchen Oberbegriff, der für beide Geschlechter gilt, würden sich bestimmte Sachverhalte auch überhaupt nicht formulieren lassen (etwa “Jeder dritte Unternehmer in Österreich ist eine Frau.” oder “Wir kennen nicht mal das Geschlecht des Verdächtigen.”) Ein “Tag” mit seinen 24 Stunden besteht aus Tag und Nacht, genauso wie “der Kunde” männlich oder weiblich sein kann – unabhängig von seinem grammatischen Geschlecht. Ähnlich verhält es sich mit “die Katze”: Die weibliche Form steht als Oberbegriff sowohl für das weibliche Tier als auch für das männliche, das wir, wenn wir es genauer spezifizieren möchten, als “der Kater” bezeichnen (so wie “der Kunde”, wenn weiblich, zu “die Kundin” wird). Zu behaupten mit “der Kunde” seien nur Männer gemeint, allein weil “der” davorsteht, ist grammatisch ungefähr so durchdacht wie es die Argumentation ist, mit “die Kunden” seien offenbar nur Frauen gemeint, weil “die” davorsteht. In Wahrheit drückt natürlich keiner der beiden Artikel den Sexus aus: “die” bezieht sich auf die Pluralform, “der” auf den Genus. Erst durch die konsequente Doppelbenennung in der feministischen Sprache “die Kunden und Kundinnen” wird der Sexismus in die Sprache eingeführt, wo er vorher durch den geschlechtsunabhängigen Oberbegriff nicht vorhanden war.

Im Übrigen bin ich öfter mal “die Vertretung” für einen Kollegen. Ist kein Problem für mich.

Aber ich kenne auch den Unterschied zwischen Genus und Sexus. Und ehrlich gesagt, möchte ich nicht so gerne ein Vertreter, ein Klinkenputzer sein… Aber ein Mann, der allen Frauen mit Respekt auf Augenhöhe gerne begegnet und hofft, dass alsbald keine Lohn-/Gehaltsdifferenz zwischen den Geschlechtern mehr besteht. Denn nur damit unterstützen wir die Emanzipation – nicht aber mit umständlichem Gender-Sprich-und-Schreib-Stil.“

Alicia Joe “Warum Gendersprache scheitern wird”

Ich hatte den Leserbrief schon fast vergessen, als mich ein sehr gut aufbereitetes Video der YouTuberin Alicia Joe, die das Thema „Gendergerechte Sprache“ ebenfalls hinterfragt, wieder voll mitgerissen hatte.

maiLab und “Gendern”

Interessant ist, das die Chemikerin bzw. YouTuberin maiLab bereits in 2018 das Thema mit Ihrer YouTube Fangemeinde diskutierte. Sie geht da weniger aus der grammatischen und der Rechtschreibung basierenden Betrachtung vor, als das sie die emotionalen und alltäglichen Beweggründe hinterfragt. Die Kommentare der Fangemeinschaft zeigen 2018 ebenfalls einen Trend auf.

Terra X und das Gendern

Im Oktober 2021 hatte sich die Sendung Terra X mit Harald Lesch mit dem Thema Gendern beschäftigt. Interessant was bei diesen Versuchen die Harald Lesch Vorstellt als Ergebnis herauskam.

Fazit

Welches Fazit kann man nun aus dieser Entwicklung ziehen, die sich seit mehreren Jahren zäh wie ein schlechter Kaugummi hinzieht? Welches Fazit zieht man zu einem Thema, das auch im Sommer 2022 keine rechtliche Grundlage – z.B. in Form einer Rechtschreibreform – hat? Welches Fazit ist nicht ggf. morgen schon der Angriffspunkt für Hohn und Spott?

Nun, ich ziehe für mich daraus, dass ich sehr nah bei den Schlussfolgerungen von Alicia Joe bin. Wenn man Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in der modernen Gesellschaft will, geht es nicht über einen Genderwahnsinn in der Sprache, über das Vergewaltigen von Lyrik, das einsperren der Sprache und das einengen von Kommunikation.

Gleichberechtigung gewinnt man durch offene, transparente und kompromissbereite Kommunikation und ein Miteinander.